Düsseldorf. Am 17.10.2009 veranstaltete die Interessengemeinschaft Warane ihre erste Jahrestagung. Nach einem turbulenten ersten Jahr erntete das neu zusammengestellte Leitungsteam zufriedene Worte der Besucher, freute sich sichtlich darüber, ruhte sich aber dennoch nicht auf deren Lorbeeren aus. „Wir müssen die viele Hintergrundarbeit auf noch mehr Schultern verteilen“ verriet die Landesgruppenleiterin Schweiz, Tatjana Eugster. Aber etwa auch Gründungsmitglied Thilo Böck zeigte sich kritisch: „So ein Fauxpas wie zu Beginn des zweiten Quartals diesen Jahres darf sich nicht mehr wiederholen, und wir alle, die Leitung wie auch viele Mitglieder, haben daraus gelernt und ein solides Konzept erarbeitet, das wir in kleinen und bedachten, nachhaltigen Schritten umsetzen werden“.
Als erstes erfolgte die Begrüssung und Danksagung durch Frau Dipl.-Biol. Sandra Honigs im Namen des Gastgebers Aquazoo-Loebbecke Museum Düsseldorf und des Leitungsteams der IGW, vertreten durch Herrn Thilo Böck. Danach folgte ein hochinteressanter Vortrag von Frau Dr. Monika Labes über die Haltung und Nachzucht von Varanus exanthematicus. Nicht nur, dass dieser Vortrag über die Nachzucht dieser leider als Außenseiter geltenden Art in Deutschland eine Premiere sein dürfte, freute besonders auch die enge Verbundenheit zu den Kernaktivitäten der IGW die sichtlich gespannten Besucher.
Die äußerst detaillierte Dokumentation ließ so manche Sachlage in der Haltung dieser Art in ein Licht rücken, welches bislang nicht oder nur vereinzelt als solches wahrgenommen wurde. Ein deutliches Indiz also dafür, dass sowohl bezüglich Haltung, wie auch Zucht noch viele Fragen offen sind, und dies bei regelmäßig hohen Importquoten dieser Art. In der anschließenden Gesprächsrunde konnten auch die letzten Fragen geklärt werden und wir gönnten uns eine kurze Kaffeepause.
Sodann startete die Landesgruppenleiterin der Schweiz, Frau Tatjana Eugster, mit eindrucksvollen Bildern und spannend gewählten Worten eine wahrhaft traumhafte Dokumentation über ihren 4-wöchigen Australienaufenthalt diesen Sommer. Eine wahre Flut an brillant anmutenden Landschaften vom Hotspot vieler Waranfreunde beeindruckte die Anwesenden.
Wenngleich die natürlichen Beobachtungen dieser faszinierenden Geschöpfe etwas spärlich ausfielen, kam man dennoch voll auf seine Kosten. Man dürfte nämlich kaum in Zoos außerhalb Australiens eine derart artenreiche Waran-Sammlungen zu Gesicht bekommen wie in „Down Under“. „Der Australia Zoo war ein einmaliges Erlebnis“ schilderte Frau Eugster. Aber auch andere Zoos und Nationalparks besuchten die Beiden an der Ostküste. Inklusive K´gari, wie Fraser Island bei den Aborigines genannt wird. Sie ist mit 1840 km² die größte Sandinsel der Welt.
In der anschließenden, großzügig bemessenen Pause blieb dann auch noch genügend Zeit, die vielen neugierigen Fragen beantworten zu können. Frau Eugster nahm sich mit typischer Schweizer Ruhe und Gelassenheit Zeit für jede Einzelne.
Auch für das leibliche Wohl war währenddessen gesorgt. So stärkte man sich bei allerlei alkoholfreien Kaltgetränken, bunt belegten Brötchen, Kaffee und Kuchen.
Langsam aber stetig stieg auch die Vorfreude auf den finalen Vortrag: „Umbau der Tropenhalle des Aquazoo – eine Anlage für Varanus salvadorii entsteht“. Aber die Besucher mussten sich noch eine Weile gedulden, denn nach der Pause folgte erst einmal der interne Jahresbericht der IGW. Nach deren unerwartetem Umbruch im Frühjahr diesen Jahres erreichten die Leitung immer wieder besorgte Fragen. Krankheitsbedingt war es an diesem Tag um die Stimme der Kassenwartin Esther Böck leider nicht gut bestellt. Deshalb sprang Thilo Böck ein und schilderte die sehr ansehnlichen und gut verständlichen Grafiken seiner Frau. Alle Fakten wie aktuelle Mitgliederzahlen, deren Länderverteilung, bis hin zu den Einnahmen sowie Ausgaben des laufenden Jahres 2009 wurden transparent und nachvollziehbar dargelegt.
Robert Richter – in der IGW hauptsächlich für die Interessenvertretung der Jugend zuständig – zeigte anschließend die gegenwärtigen laufenden Arbeiten der IGW, aber auch die künftig angestrebten Projekte und Möglichkeiten, wobei er auch klar zur Mitarbeit aller Mitglieder aufrief. So kann man abschließend zum internen Part nur sagen, dass die IGW bereits viel Aktives geleistet hat und ebenso in eine hoffnungsvolle Zukunft bei der Verfolgung ihrer Ziele blicken darf. Das neu aufgestellte Leitungsteam ist voller Zuversicht und gemeinschaftlichem Tatendrang. Nicht zuletzt die Aussprache über einen möglichen e.V., respektive über den bewussten Verzicht auf das Vereinsregister, als auch die in Kürze erscheinende Absichtserklärung für die Mitglieder und den Ehrenkodex, den die Leitung unterzeichnen wird, stießen auf durchwegs positive Resonanz.
Nun aber ging es mit großen Erwartungen endlich in Richtung Großwarane: Sandra Honigs startete mit dem ersehnten Vortrag über die imposanten Baumkrokodile Varanus salvadorii mit ein paar eher unerwarteten Details zur Einleitung. Dabei kam zu Tage, dass nicht nur privat ambitionierte Tierhalter hin und wieder Platzprobleme haben und somit zwangsläufig in der artgerechten Haltung begrenzt werden, sondern auch zoologische Institute davon betroffen sind. Dies verblüffte doch so manchen gespannten Zuhörer. Frau Honigs ging sodann auf alle relevanten Haltungsparameter und deren Realisierung im Aquazoo ein. „Derart intelligente Ausbruchskünstler wollen mit viel Kreativität im Zaum gehalten werden“, schilderte sie. Nebst abenteuerlichen Versuchen zur Gehege-Innengestaltung von beauftragten Fremdfirmen, deren Arbeit zuletzt doch nur der Auqazoo selbst zur Zufriedenheit erledigen konnte, verursachte Kopfschütteln, wobei die Bilddokumentationen uns dann doch auch zum Schmunzeln brachte.
Markus Juschka rundete schlussendlich den gelungenen Vortragsnachmittag mit einem Einblick in die Welt eines internationalen Zuchtbuches – kurz ESB (Europäisches Zuchtbuch) genannt – ab, basierend auf seinen Erfahrung bezüglichAufsicht und Führung des Zuchtbuches für Varanus prasinus innerhalb der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria). Dies ist die etwas weniger ausführliche Variante der bekannten EEP (Europäischen Erhaltungszuchtprogramme). Dabei wurde vor allem eines klar: Es ist nicht nur viel verantwortungsvolle, akribische Arbeit, sondern leider auch eine undankbare, wie uns Herr Juschka schilderte. Dennoch ließ sich die IGW nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Sie nimmt die Unterstützung von Herrn Juschka dankend entgegen und wird sich weiterhin in kleinen Schritten dem Projekt „Studbook“ nähern. Einige Mitglieder bekundeten schon reges Interesse.
Als Highlight zum Abschluss erfolgte dann noch die Zooführung durch Sandra Honigs. Wir bestaunten die Tropenhalle und lauschten gespannt den Worten von Frau Honigs, die über Werdegang und Gestaltung einiges aus dem Nähkästchen und Werdegang des Zoos und des angegliederten Museums erzählte. Am Salvadorii-Gehege angekommen sah man dann auch, wo die Probleme liegen, über die man zuvor in ihrem Vortrag bereits hörte. Über die unterirdischen Gänge gelangte man während der Führung auch ausnahmsweise in sonst ungesehene Bereiche wie den riesigen Filterkeller, die Insektenzucht sowie im Speziellen auch in die historische Sammlung des Aquazoos, wo sehr viele Modelle und Präparate, unter anderem auch von Waranen, lagern. Eine Schatzkammer also für jeden, der wissenschaftlich-herpetologisches Interesse hat.
Nach gut einer Stunde ging es dann in das nahegelegene Restaurant am Nordpark, wo man den Abend ausklingen liess.
Zurück bleibt ein gutes Gefühl, trotz einiger Hürden zu Beginn des zweiten Quartals diesen Jahres,, die ersten Gehversuche in Sachen Tagung zur Zufriedenheit aller Anwesenden absolviert zu haben. Für Mut und Elan weiter an den Zielen der IGW zu arbeiten sorgen sicherlich auch die fünf neuen Mitglieder die sich an diesem Wochenende dazu entschlossen haben, sich der IGW anzuschließen.
Besondere Aufmerksamkeit gebührte an diesem Wochenende auch Mathias Brunner aus der Schweiz für die längste Anreise, da er trotz schwerer Krankheit die Reise ins 620 km entfernte Düsseldorf zur Tagung nicht scheute. Und überhaupt waren bis auf eine Ausnahme höherer Gewalt alle Mitglieder der Landesgruppe Schweiz anwesend. Wer also nicht teilnahm, hatte definitiv etwas verpasst.
Doch nach der Tagung ist vor der Tagung. Und so sei Ihnen liebe Leserinnen und Leser eines für 2010 schon verraten: Die nächste Jahrestagung wird ein volles Programm für mindestens zwei Tage bereithalten und so die Anreise auch aus den Nachbarländern noch lohnenswerter machen.
Also bis zur nächsten Jahrestagung 2010!
Ihre IGW
Fotos: Daniel Liepack, Marcel Eugster
Aktualisiert ( Sonntag, 21. Februar 2010 um 02:11 )